Konfirmation – eine Tradition mit Zukunft

In Württemberg waren es in den vergangenen zehn Jahren zwischen 25.000 und 30.000 Jugendliche, die dieses große Fest am Übergang von der Kindheit zum Jugendalter erlebten. Die Zahlen sind erfreulich stabil. Fast alle evangelisch getauften Kinder lassen sich auch konfirmieren und für zahlreiche Jugendliche ist die Konfirmation der Anlass, sich taufen zu lassen.

Im Leben der Familien ist die Konfirmation nach wie vor ein herausragendes Fest, das mit dem Konfirmationsgottesdienst am Sonntagvormittag beginnt. Die Jugendlichen werden feierlich gesegnet und sprechen ein „Ja“ zu ihrem Taufbekenntnis. Sie bekommen ein persönliches Bibelwort, ihren Konfirmandenspruch, mit auf den Lebensweg. Wörtlich bedeutet Konfirmation „Bestätigung, Bekräftigung“ und die sollen die Jugendlichen auch im Konfirmationsgottesdienst erleben. Das Familienfest schließt sich an den Gottesdienst an. Es wird heute eher in einer Gaststätte als zu Hause gefeiert.

2009 hat die württembergische Landessynode den Konfirmationssonntag vom zweiten Sonntag vor dem Osterfest auf den fünften Sonntag nach Ostern verlegt, damit alle Konfirmandinnen und Konfirmanden vor ihrer Konfirmation das zentrale Fest der Christenheit erlebt haben. Ein Nebeneffekt ist, dass auch der heimische Garten als Ort für das Familienfest in den Blick kommt.

Seit dem Erscheinen der neuen Rahmenordnung für die Konfirmandenarbeit im Jahr 2000 ist die Vorbereitung auf die Konfirmation deutlich vielfältiger geworden. Konfi-Tage und -Wochenenden gehören fast überall dazu. Praktika in Gemeinde und Diakonie lassen die Konfirmand/innen wertvolle Erfahrungen machen. Formen der Jugendarbeit und zahlreiche Verknüpfungen mit ihr werden vielerorts ausprobiert, ehrenamtliche Teamer sind beteiligt, die Gottesdienste in der Konfirmandenzeit werden oft abwechslungsreich von den Jugendlichen mitgestaltet.

Konfirmandenunterricht ist eine der wichtigsten Formen außerschulischen Lernens. Jugendliche aus allen Schularten lernen dabei gemeinsam, ohne Notendruck und Prüfungszwang, direkt für ihr Leben. „Lebensrelevanz“ ist denn auch eines der großen Schlagworte aus der pädagogischen Diskussion der letzten Jahre. Dass die Konfirmandenarbeit in Württemberg insgesamt ein Erfolgsmodell ist und bei Jugendlichen und Eltern gut ankommt, hat 2009 eine von der Universität Tübingen durchgeführte wissenschaftliche Studie bestätigt.

Die Konfirmation selbst ist Ausdruck der Mündigkeit im Glauben. Konfirmierte sollen Auskunft geben können über die Grundlagen ihres Glaubens und haben sich dafür mit dem christlichen Glaubensbekenntnis, den beiden Sakramenten Taufe und Abendmahl, der Bedeutung des Gebets und der zehn Gebote ausführlich beschäftigt und wichtige Texte in ihrer Konfirmandenbibel kennen gelernt. Etwa 20% der Gemeinden in Württemberg beginnen übrigens unter der Überschrift „Konfi 3“ schon in Klassenstufe 3 mit der Einführung in die Kernthemen des christlichen Glaubens und machen gute Erfahrungen damit. Die Abschlussgottesdienste von Konfi 3 haben allerdings nicht den Stellenwert der traditionell in der 8. Klasse stattfindenden Konfirmation.

Viele junge Kirchenglieder beteiligen sich auch nach der Konfirmation am kirchlichen Leben, indem sie an Angeboten der Jugendarbeit teilnehmen oder sogar selbst Verantwortung übernehmen. Als Paten geben sie weiter, was sie vom christlichen Glauben verstanden haben. Erstmals dürfen sie in diesem Jahr auch ihre Stimme bei den Kirchenwahlen abgeben, sofern sie wie die meisten zum Zeitpunkt der Wahl 14 Jahre alt sind. Und wie wichtig die Konfirmation als Station auf dem Lebensweg war, zeigen nicht zuletzt die oft sehr bewegenden und gerne gefeierten goldenen Konfirmationen, in denen auf 50 Jahre Lebens- und Glaubensweg zurückgeblickt und erneut der Segen Gottes zugesprochen wird.

 Dr. Thomas Ebinger, Dozent für Konfirmandenarbeit
am Pädagogisch-Theologischen Zentrum Stuttgart

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